Leider war ich nur ein Hund…

Dennoch möchte ich Euch gerne meine traurige Geschichte erzählen. Vielleicht kann ich damit ein wenig mithelfen, daß manche Menschen ein wenig den Kopf einsetzen bevor sie so oder auch so handeln.
Im Sommer 2003 hat meine Mami mich und meine Geschwister in Sachsen-Anhalt auf die Welt gebracht.
Es war ein herrlicher Sommer und wir tobten viel in der warmen Sonne. Wir alle gedeihten wunderbar und waren der ganze Stolz unserer Zweibeiner. Unsere Mami gab auch ihr Bestes uns Racker das erste 1mal1 beizubringen.
Außer meinem Bruder und mir zogen nach wenigen Wochen alle Geschwister aus. Sie wurden von verschiedenen Menschen abgeholt, die strahlend mit glänzenden Augen ihren Welpen in ihre Arme nahmen.
Mein Bruder und ich durften nun jede Woche 2 mal mit auf einen Platz, wo wir viele andere Hunde sahen. Die meisten waren wie Brüder und Schwestern von uns, nur älter. Leider durften wir hier nicht spielen. Frauchen sagte, wir würden hierher kommen um zu lernen. Spielen könnten wir dann zu Hause. Naja, okay.
Wir waren eigentlich glückliche Kinder, mein Bruder und ich. Manchmal war es anstrengend so viel auf einmal zu lernen, aber wir fühlten uns wohl.
Doch dann passierte etwas wohl ganz Schlimmes. Frauchen war total durcheinander und Herrchen kam nicht mehr. Ich sah ihn nie wieder und war sehr traurig, genau wie mein Bruder und alle anderen Hunde hier auch. Es war ja Mama, Oma, mein Onkel und noch andere auch da. Wir waren 9 Hunde zu dem Zeitpunkt.
Komisch war, daß ein paar Wochen später immer wieder fremde Menschen kamen und mich und meinen Bruder sehen wollten.
Dann kamen zwei Männer, die mich kennenlernen wollten. Ein älterer Herr und ein junger Mann, wohl Vater und Sohn. Sie sprachen lange mit unserem Frauchen und nahmen mich dann mit dem Auto mit. Ich fand es schrecklich, weil ich von meinem Bruder und meiner Mama getrennt wurde. ein wenig getröstet hat mich bei der Ankunft die kleine Dobermannhündin, die schon dort wohnte. Leider ging das nur so lange gut bis ich das zweite mal an den Schrank gepieselt hatte. der junge Mann baute dann irgendwas am Stall und ich mußte dort hinter einem dicken Gitter wohnen. Das fand ich voll übel. Ab und an durfte ich mit dem Auto mitfahren, das war toll, denn nach einigen Minuten stiegen wir dann aus und ich durfte dort am Waldrand nach herzenslust rennen. Die Zeiten wurden aber immer kürzer und wir fuhren immer seltener dorthin. Ich fand das Leben hier total doof.
Eines Tages kam der ältere Herr mit dem Kettenhalsband und ich freute mich, daß endlich mal wieder raus ging. Keine Ahnung was der machte, auf jeden Fall warf er das Kettenhalsband einige Male klirrend direkt neben mit auf den Betonboden. Das klang so bedrohlich in meinen Ohren, daß ich nach ihm schnappte. Er schrie hysterisch, was mir noch mehr Angst macht und ich schnappte noch 3 oder 4 Mal aus Angst.
Ein Opfer des Tierschutzes - er konnte nichts für seine Vergangenheit....

Ein Opfer des Tierschutzes – er konnte nichts für seine Vergangenheit….

Ich durfte dann mein dunkles Loch so gut wie gar nicht mehr verlassen. Nur der junge Mann fuhr noch 3 oder 4 mal mit mir irgendwohin wo mich fremde Menschen kritisch musterten. Mit einer Frau habe ich auch mal einen ganz langen Spaziergang gemacht. Das war klasse. Ich habe mich auch wirklich gut benommen, das hat sie bestätigt. Sie sagte, ich sei eigentlich doch ein toller Hund. Da freute ich mich und hoffte, dass sich dadurch was ändern würde.
Dann kam der Tag als mich die beiden Männer, wohl meine Herrchen, ins Auto luden und ziemlich weit mit mir fuhren. Wir kamen auf einem riesigen Bauernhof an. Dort bellten sehr viele Hund als wir kamen. Man sprach davon, das sei ein Tierheim. Naja, ich wurde in einen Käfig gebracht und die beiden Männer fuhren mit dem Auto ohne mich wieder los.
Nun saß ich wieder in einem Käfig, aber zumindest war es hier nicht so dunkel wie in dem Loch davor. An den folgenden Tagen kam auch immer eine nette junge Frau, die mit mir sprach und mit mir Gassi ging. Das war ja schon mal was…..
Dann kam diese junge Frau einige Tage nicht und keiner redete mit mir und keiner ging mehr mit mir Gassi. Ich saß den ganzen Tag am Gitter und wartete. Endlich kam ein junger Mann mit einem Stock oder Stab oder Besen(?) an und ich freute mir den Hintern ab, daß endlich einer kommt und mit mir rausgeht. Aber da hatte ich mich wohl geschnitten, denn der Typ kam in meinen Zwinger und als ich freudig an ihm hochsprang, schlug er mir den Stock über den Kopf – ich hatte furchtbare Angst und schnappte. Ich erwischte den Idioten auch – er ließ mich in Ruhe und rannte weg. Ich saß wieder traurig in meinem Zwinger und schimpfte auf Gott und die Welt durch die Gitterstäbe.
Viele Menschen kamen her, glotzten auf mich und laberten und laberten….keine Ahnung was die für ein Problem hatten, denn die saßen ja nicht in einem Käfig, sondern ich.
Es vergingen wenige Tage an denen ich die Gitterstäbe zählte und durch schimpfend auf und ab rennen meinen aufgestauten Bewegungsdrang abzubauen. Dann wurde ich mitten in der Nacht aus dem Zwinger geholt – von der netten jungen Frau, die anfangs immer mit mir Gassi ging. Ich freute mich sehr, sie wieder zu sehen. Sie erzählte mir was von einem Umzug und dass jetzt alles gut wird. Ich glaubte ihr und versuchte mich zu freuen.
Was mich an der drahtigen alten Frau störte, die mich mitnahm, konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht sagen, aber irgendwie war sie komisch. Die junge Frau drängte mich in eine Gitterbox, die in einem großen Auto stand. In dem Auto waren noch zwei junge Leute, die aber keine große Rolle zu spielen schienen. Sie waren irgendwie nur da.
Wir fuhren dann die ganze restliche Nacht mit dem großen Auto. Ich bin irgendwann eingeschlafen. Als das Auto anhielt, brüllte mich die alte Frau an „wir sind da, Du Köter“. Ich blinzelte durch die Scheiben und sah *freu einen riesigen Bauernhof und dachte, ich könnte sicherlich gleich mal meine Beine entknoten und ne Runde Gas geben……
Dies war leider wieder mal einer meiner Trugschlüsse. Ich wurde in der Gitterbox aus dem Auto geholt und in ein größeres Käfig gestellt. Das wars dann erstmal. Ich mußte dringend mal……Mist, ich konnta ja grad mal aufstehen und durch die Gitter pinkeln, das war ja doof!
Nach und nach hörte ich ganz viele andere Hundestimmen und mir war schnell klar, ich war wieder in so einem komischen Tierheim. Hatte die alte Frau als sie mich abholte nicht irgendwas gesagt von im Haus wohnen oder so? Naja, vielleicht kommt das ja noch – ich warte gespannt.
Nichts passiert, ich habe Durst, ich muß mal groß, aber in der kleinen Gitterbox ist das ja vollends blöd. Ich bin ja nicht gerade verwöhnt, aber ich kacke doch nicht dahin wo ich liege….
Irgendwie war mir immer wieder mal richtig komisch – schwindlig und müde……erst Tage später durfte ich die Gitterbox verlassen und mich wenigstens in dem großen Käfig frei bewegen. Selten ließ mich die alte komische Frau auch mal aus dem Käfig raus ins Freie. Die Tage kann ich aber zählen, zumal diese immer seltener wurden. Ich wurde depressiv und wollte mich irgendwie zur Wehr setzen gegen dieses Leben das ich immer mehr haßte.
Immer wenn wer in die Nähe meines Käfigs kam wollte ich das deutlich machen, aber ich glaube es hat mich keiner jemals verstanden. Wahrscheinlich hat sich auch keiner jemals die Mühe gemacht.
Genau in diesem Käfig bin ich dann im Sommer 2008 gestorben. Ein Tierarzt, der in einer anderen Sprache redete hat meine letzte Hoffnung auf ein besseres Leben ausgelöscht.
Ja, geboren im Sommer 2003 in Sachsen-Anhalt  –  gestorben im Sommer 2008 in Sustrum-Moor im Emsland – mein Leben als Dobermann!
Und – ich bin umsonst gestorben, denn es hat sich nichts verändert – und alle Beteiligten nennen sich „Tierschützer“!
Nicht selten bedeutet beigebrachte Aggression den Tod für das Tier - auch durch Tierschützer.

Nicht selten bedeutet beigebrachte Aggression den Tod für das Tier – auch durch Tierschützer.

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